Nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte

Januz Korwin-Mikke macht einen adretten Eindruck. Er ist ein EU-Abgeordneter aus Polen. Er trägt eine tadellos sitzende Fliege wenige Zentimeter unter seinem tadellos sitzenden Schnauzbart. Man müßte über diesen Mann nichts wissen. Aber was da aktuell kolportiert wurde, ist doch bemerkenswert.

 Das war ja klar! Der jungen Frau muß die Wange gestützt werden, daß ihr Kopf nicht wackelt, und der Arm gehalten, daß ihr Mobiltelefon nicht runterfällt. (Foto: Filip Hallo, wikimedia commons: OTRS)

Das war ja klar! Der jungen Frau muß die Wange gestützt werden, daß ihr Kopf nicht wackelt, und der Arm gehalten, daß ihr Mobiltelefon nicht runterfällt. (Foto: Filip Hallo, wikimedia commons: OTRS)

Ich zitiere das Magazin „Stern“:
„Der 74-jährige Korwin-Mikke hatte sich am Mittwochabend bei einer Debatte über die Kluft bei der Bezahlung von Männern und Frauen während der Redezeit einer spanischen Sozialdemokratin zu Wort gemeldet. ‚Natürlich müssen Frauen weniger verdienen als Männer, sagte er, ‘denn Frauen sind schwächer, sie sind kleiner und sie sind weniger intelligent’”. [link]

Der Inhalt seiner Auslassung läßt sich gar nicht debattieren. Was sollte mir dazu einfallen, wenn jemand meint, die Erde sei eine Scheibe und werde von der Somme umkreist? Bei Wikipedia liest man über ihn: „Korwin-Mikke studierte Mathematik, Recht, Soziologie, Psychologie und Philosophie an der Universität Warschau.“

Das ist sehr interessant, weil es die Frage aufwirft, wie jemand all diese Studien absolvieren konnte, vor allem gerade diese Studien, ohne dabei klugen Frauen über den Weg zu laufen, von denen so manche womöglich brillanter sind als er.

Das gelingt einem gerade in Bildungseinrichtungen sogar mit verbundenen Augen, ebenso im Alltag, wenn man sich ein wenig bemüht. Daher muß man annehmen, daß sich hier nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte hervortut. Man könnte auch vermuten, diese auffallende Feindseligkeit möchte eigene Vorteile gegen Konkurrenz abschirmen.

Wir leben in einer Demokratie. Man darf also borniert sein, ja sogar dumm bleiben. So viel Freiheit muß sein. Aber es entsteht mindestens ein erheblicher volkswirtschaftlicher Schaden, wenn eine Gesellschaft mehr als die Hälfte ihrer Leute, die Frauen, darin behindert, ihre Talente umzusetzen, anzubringen.

Genau das dürfte Europa schon in den nächsten Jahrzehnten große Nachteile bringen, da sich dieses kleine Gärtlein am Rande des eurasischen Riesen wirtschaftlich behaupten soll; zumal wir in eine Vierte Industrielle Revolution gehen. Kurz, wir werden alle Talente brauchen, die wir kriegen können. Korwin-Mikke wird uns dabei nicht abgehen.