Limits meiner Kompetenzen

Die Arbeit am aktuellen Projekt ereignet sich in drei Sprachen. Das ist eine gute Gelegenheit, sich erneut in europäische Verhältnisse einzuüben, die heute mehr denn je Beweglichkeit nahelegen; nicht bloß physisch, auch geistig.

Tanja Vujinovic (links) und Mirjana Peitler-Selakov

Tanja Vujinovic (links) und Mirjana Peitler-Selakov

Ein Teil der Crew spricht Deutsch. So werden auch die meisten Beiträge auf der GISAlab-Website gehalten sein. Bei Arbeitstreffen geht es in Englisch zur Sache, denn ein anderer Teil der Crew hat unterschiedliche südslawische Wurzeln.

Vor dem Untergang Jugoslawiens war Serbokroatisch als kodifizierte Hochsprache dominant. Nach den Kriegen der 1990er Jahre kursierte folgendes Bonmot: „Was unterscheidet Bosniaken, Kroaten und Serben voneinander? Sie haben die gleiche Sprache.“

Heute setzt sich offenbar die Bezeichnung „Be-ka-es“ durch, zum Beispiel „B/K/S“ geschrieben, wahlweise „B/C/S“, was für Bosnisch/Kroatisch/Serbisch steht. Zwar gab es vorher schon Unterschiede in Details des Vokabulars, aber das ist nun offenbar noch kontrastreicher geworden. (Slowenisch war allerdings schon vor den 1990ern auch für jene, die nicht sprachkundig sind, einigermaßen deutlich unterscheidbar.)

Aus dem Protokoll...

Aus dem Protokoll…

Als ich beim letzten Arbeitstreffen zu einer kniffligen Frage vorschlug: „Verständigt Euch dazu in Eurer Sprache, dann geht es eventuell leichter“, wurde mir das mit einem Lachen quittiert und mit der augenzwinkernd vorgebrachten Bemerkung: „Du willst Dich wohl ein wenig ausruhen“.

Das handelt so am Rande von Bedingungen, die mir sehr gut zum Inhalt des Projektes passen, denn stets muß ich in solchen Zusammenhängen sehr wach bleiben. Kommunikation ist hier augenblicklich das zentrale Ereignis.

Da diese Kommunikation laufend über Sprachbarrieren hinwegkommen muß, bewege ich mich dabei ständig an den Limits meiner Kompetenzen, zumal ich als Autor in der Sprache ein Hauptinstrument habe, und zwar in meiner Herkunftssprache, während ich in Englisch vergleichsweise holpere und vom Südslawischen nur wenige Passagen verstehe. Genau deshalb mag ich solche Projekte. Sie stoßen mich aus jenen Zonen heraus, wo ich erfahren und versiert bin…

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