Die Stampferin

Wie lebte es sich im 17. Jahrhundert? Abenteuerlich. Aber nicht unbedingt auf die unterhaltsame Art. Maria Elisabeth Stampferin war kein Dienstbot, sondern die Frau eines Unternehmers.

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Die steirische Radmeistersgattin hatte alles andere als ein gemütliches Leben. Schlechtes Wetter, schlechte Ernte, schlechte Wirtschaftslage, Krankheit, Unfall, Krieg… Für Frauen kam noch das Kindbett als Gesundheitsrisiko dazu. Man kam quer durchs Jahre fast alle Tage mit Gefahren in Berührung.

Davon wissen wir im Detail, weil die Stampferin ein „Hausbuch“ geführt hat, welches belegt, wie sehr sie mit vielen Aspekten des Unternehmens befaßt war. Frauen in der Technik bedeutet damals eben auch eine Position in solchen Zusammenhängen. (Frauen aus dem ländlichen Proletariat schufteten zum Beispiel als Erzwascherinnen am Erzberg.)

Das Radwerk war ein früherer Typ jenes Betriebes, der den modernen Hüttenwerken vorausging. Es drehte sich um die Verarbeitung von Erz und die Gewinnung von Roheisen. Das Hauswirtschaftliche und das Geschäftliche gingen ineinander. Im Hausbuch der Stampferin finden sich Beschreibungen von Glücksfällen und Unglück, von Zukäufen und betrügerischen Verwaltern, von Kriegsgefahr und Naturkatastrophen. Es gibt darin aber auch Hinweise darauf, daß viele Kinder ihren ersten Geburtstag nicht erlebt haben.

Ein Beispiel: „Im 1677. Jahr hab ich ein Diendl mer geborn / und hab gar ein schwöre Niterkunfft gehabt / faß also daß Khint nur fraudäfft ist worn. Haben ihr gleichwoll ein Namben göben Cecylia / und (ist) gleich gestorben. Hab also ein liebs Engerl in Himbel droben.“ Wenn das Kind „fraudäfft ist worn“, heißt das, die Hebamme hat eine sogenannte Nottaufe vorgenommen.

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Dieses Hausbüchel von 1679 ist 1887 von A. Hölder in Wien verlegt worden. Im Web ist eine transkribierte Fassung als PDF-Datei kostenlos verfügbar: [Link] Ich finde allerdings, daß der Text durch den Verlust des ursprünglichen Tonfalls etwas an Reiz verliert. Wer die sprachliche Form jener Zeit kennenlernen will, die auch heute noch gut lesbar ist, kann sich nach Angeboten umsehen, die den Nachdruck als Book on Demand liefern.

Auf dem Server der Grazer Uni ist eine diesbezügliche Diplomarbeit als PDF verfügbar: „Das sogenannte Hausbuch der Stampferin, quellenkritisch betrachtet“, vorgelegt von Claudia Langmann: [Link]